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Import: Anleitung zum Produkteinkauf in China

Erstaunt blicken viele Online-Händler und Verkäufer auf Marktplätzen auf die Verkaufspreise ihrer Wettbewerber und rätseln darüber, wie es möglich ist, Produkte so günstig anzubieten. Oft liegt die Lösung im direkten Import von Waren aus China. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen Schritt für Schritt, wie der Import von Waren aus dem "Reich der Mitte" funktioniert.

Gerade im E-Commerce und auf Marktplätzen stehen Händler von Drittwaren oder Drittmarken unter außergewöhnlichem Preisdruck. Damit Händler verkaufen können, brauchen Sie den Platz in der sogenannten "Buy Box" und müssen auf den Seiten der Preisvergleiche bestehen. Abhilfe schaffen hier einerseits ein breites Sortiment, viele Neuheiten und vor allem eigene Produkte, Marken und Bundles, sowie ein Einkauf möglichst nah am, oder direkt beim Produzenten.

"Der vertikale Hersteller-Händler ist im wettbewerbsintensiven E-Commerce aktuell eines der erfolgreichsten Geschäftsmodelle."

Für den geschäftlichen Erfolg von Online-Händlern spielen die Konditionen, zu denen die angebotenen Produkte eingekauft werden, eine entscheidende Rolle. Hiervon hängt zum einen ab, zu welchem Preis ein Artikel am Markt angeboten werden kann und zum anderen, welchen Gewinn der Händler beim Verkauf erzielt.

Der Verkaufspreis entscheidet über die erreichbaren Verkaufszahlen, gerade auf den dominierenden Marktplätzen Ebay und Amazon. Je günstiger ein Produkt angeboten werden kann, umso höher die Chance, dass sich ein Verbraucher für den Kauf entscheidet. Die Gewinnspanne wiederum ist das entscheidende Kriterium dafür, ob ein Geschäft im Internet dauerhaft einträglich geführt werden kann oder ob das betreffende Unternehmen wirtschaftliche Verluste erleidet und schließlich aufgeben muss. Der Höhe des Verkaufspreises kommt dabei im zunehmend an Bedeutung zunehmenden Handel per Internet eine besondere Bedeutung zu. Preissuchmaschinen, Marktplätze und die "kurzen Wege" zwischen den verschiedenen Anbietern sorgen auf Seiten des Verbrauchers für eine optimale Möglichkeit zum Preisvergleich. Gleichzeitig steigt die Zahl der internationalen und chinesischen Händler z.B. auf Amazon oder Ebay sprunghaft an.

FBA Business - das Zauberwort mit Nebenwirkungen!

Besonders durch Services wie "FBA" (Fulfillment by Amazon) können Hersteller und Händler immer leichter international an den Verbraucher verkaufen. Der Marktplatz benötigt "nur noch" den Produkt Feed, den Verkaufspreis und den Zugang der Ware im Fulfillment Center. Marktplätze wie Amazon sorgen für die Nachfrage der Verbraucher, die Zahlungsabwicklung der Einkäufe sowie Lagerung und schnellen Versand der Produkte zum Konsumenten inkl. "Prime"-Service, wenn vom Marketplace Händler gewünscht. Während es im stationären Handel, je nach Lage, gelingen kann, Produkte zu überhöhten Preisen dennoch zu verkaufen, ist dieser Versuch im Internet nahezu aussichtslos. Die Preise für fremde Marken und Waren müssen mit einer stetig wachsenden Zahl an Wettbewerbern mithalten können, also entsprechend niedrig und damit konkurrenzfähig gewählt und kontinuierlich angepasst werden (dynamic pricing), da ansonsten die Kundschaft/Conversion ausbleibt.

Mit FBA löst Amazon selbst, oder andere Marktplatz übergreifend arbeitende Fulfillment Anbieter sämtliche logistischen Herausforderungen des Verkäufers. Die Marktplätze bringen den Traffic, die Fulfillment Anbieter besorgen die Vertragsabwicklung und den Transport - so bleibt für den Händler mehr Zeit für den Einkauf...

Soweit die Theorie - denn durch die leistungsfähigen Services rund um die Transaktionsabwicklung werden die Einstiegshürden für alle möglichen Marktteilnehmer / Wettbewerber deutlich reduziert. So werden internationale Wettbewerber, Marken und Hersteller zusätzlich zu Konkurrenten um die Bestellung des Verbrauchers.

"Ihr Sortiment von heute ist wahrscheinlich Ihr Wettbewerb von Morgen!"

Um im Abwägen zwischen dem eigenen Gewinninteresse und den Verkaufschancen am Markt den optimalen Preis anbieten zu können, sind Online-Händler auf besonders günstige Einkaufskonditionen und Produkte die von möglichst wenigen anderen Händlern angeboten werden angewiesen. Handelt es sich bei den angebotenen Waren überwiegend um solche, die in China oder anderen fernöstlichen Ländern hergestellt werden, dann befinden sich Händler, die den Einkauf innerhalb Deutschlands tätigen, in häufig zu weit hinten in der Lieferkette, es sei denn sie beziehen direkt beim Importeur des Produktes. Bezieht man seine Handelsware beispielsweise bei einem deutschen Großhändler, muss man sich darüber im Klaren sein, dass dieser wahrscheinlich bei einem Importeur einkauft. Der erhält seine Waren meist von einem Zwischenhändler, der wiederum direkt beim jeweiligen Hersteller einkauft. Jedes beteiligte Unternehmen schlägt seine Gewinnspanne auf den Verkaufspreis auf, sodass der Online-Händler mit seinem Einkauf unter Umständen eine ganze Reihe von Lieferanten finanziert und sich sicher sein kann, dass dieses Produkt von weiteren Wettbewerbern auf dem Markt angeboten wird. Klassisch disponierende Händler befinden sich also doppelt in einer Zange, einmal durch die Zahl der Wettbewerber, die auf den Preis drücken und durch den zu hohen eigenen Einkaufspreis.

Das Ziel eines erfolgsorientierten Kaufmanns muss dabei in Bezug auf den Einkauf allerdings immer darin bestehen, seine Waren möglichst nahe an der Quelle, das heißt nach Möglichkeit beim Hersteller, zu beziehen und Waren so zu ordern, dass möglichst wenige Wettbewerber im Markt existieren. Erfolgreiche Händler bevorzugen deswegen Eigenmarken, Varianten, Bundles oder Eigenaufmachungen von Standardwaren, oder sogar Eigenentwicklungen - zumindest für die wichtigen Volumen- und Eckartikel des eigenen Sortiments.

Karte China

Da ein Großteil unserer Konsumartikel heute in China produziert wird, führt bei dem Versuch, den Einkauf zu optimieren, kein Weg an diesem Land vorbei. Nun kann man sich leicht ausmalen, dass es bei dem Aufbau einer eigenen Fernost-Import-Abteilung nicht damit getan ist, ein Ticket nach China zu kaufen und sich dort auf eigene Faust auf die Suche nach potenziellen Partnern zu begeben. Stattdessen bietet sich z.B. als erster Schritt der Besuch einer Handelsmesse an. Hier versammeln sich zum einen eine Vielzahl an Anbietern interessanter Produkte und hier ist man zum anderen auf den Besuch ausländischer Geschäftspartner vorbereitet. Doch selbst der Besuch einer chinesischen Messe ist kompliziert genug und bedingt eine ganze Reihe von Vorbereitungen, die sorgfältig absolviert werden müssen, um zu garantieren, dass der Auslandsbesuch ein voller Erfolg wird.

Detaillierte Anleitung für den Eigenimport, Mühen die sich lohnen!

Um Sie aktiv bei Ihren ersten Erfahrungen in Sachen Direktimport aus China zu unterstützen, geben wir Ihnen im Folgenden eine detaillierte Anleitung an die Hand. Sie werden erfahren, wie Sie einen Besuch der berühmten Canton Messe in der chinesischen Stadt Guangzhou bestmöglich vorbereiten. Wir erklären Ihnen, welche Überlegungen Sie im Vorfeld anstellen und welche Entscheidungen Sie treffen müssen. Wir begleiten Sie bei der Buchung und bei den Reisevorbereitungen, geben Ihnen Tipps für die optimale Reiseausstattung, erklären Ihnen, wie Sie auf der Messe erfolgreich Kontakte knüpfen und verhandeln und geben Ihnen wichtige Anhaltspunkte und Hinweise für die Nachbereitung der Reise und für Ihre eigenen Bestellungen in Fernost. Die Vorbereitungen und die Reise selber sind anstrengend und verlangen Ihnen Einiges ab. Das Ergebnis lohnt sich allerdings, denn der direkte Einkauf ermöglicht es Ihnen, Ihre Produkte zu unschlagbar günstigen Preisen anzubieten und gleichzeitig hohe Gewinne zu realisieren.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Reiseplanung und viel Erfolg bei Ihrer ersten Import-Offensive in China.

Fünf Schritte, die nach China führen

Sie interessieren sich dafür, Ihren Einkauf maßgeblich zu optimieren und sehen im Direktimport die Möglichkeit mit einbringlicher Marge im Wettbewerb in E-Commerce und auf Marktplätzen erfolgreich zu bestehen? Dann sollten Sie den Gedanken, selber nach China zu reisen, um dort Produktquellen zu entdecken und Einkaufskontakte aufzubauen endlich in die Tat umsetzen - aber richtig organisiert und mit konkreten Zielen. Das Beschaffungsmanagement ist für jeden Händler ein elementarer Baustein seines Erfolges. Denn heutzutage ist es in der Regel so, dass der Zugang zum Kunden und die technische Infrastruktur durchaus gut funktionieren, aber die Handels-Marge einiger Produkte einfach zu klein ist. Der Einkauf bei einem asiatischen Hersteller bzw. der dauerhafte Aufbau eines eigenen asiatischen Lieferantennetzwerkes ist oft die beste Lösung.

Doch was sollten Sie beachten, damit der Import aus China in Eigenregie nicht zur Abenteuerreise wird? Wir erklären Ihnen in fünf verständlichen Schritten, wie Sie Ihre Reise und deren Zielsetzung planen, sich auf ihren Messebesuch vorbereiten und die eigentliche Reise buchen. Sie erfahren, was Sie mitnehmen sollten, wie Sie Ihre Zeit auf der Messe strukturieren und wie Sie dort mit den anwesenden Herstellern und Exporteuren erfolgreich verhandeln. Darüber hinaus machen wir Sie mit der Nachbereitung vertraut und erklären Ihnen, wie Sie Ihre ersten Order in Fernost erteilen.

Wir empfehlen Ihnen, die folgenden Abschnitte im Vorfeld der Reiseplanung sorgfältig durchzuarbeiten, unsere Tipps und Hinweise zu berücksichtigen und sich mit allen Anforderungen, die wir definieren, hinreichend vertraut zu machen.

1. Gut geplant ist halb gewonnen: Zielsetzungen und Produktvorbereitung

Der erfolgreiche Besuch einer Handelsmesse in China hat nichts damit zu tun, dass Sie den Weg nach China und zur Messe finden und sich dort von den Angeboten inspirieren lassen. Der Erfolg eines Messebesuches ist das Ergebnis einer akribischen Vorbereitung und eines geschärften Blickes bei der Produktsuche.

Die größte chinesische Messe in Guangzhou (auch Canton Messe genannt), besticht schon alleine aufgrund ihrer schieren Größe. Die Ausstellungsfläche der 120sten Ausgabe im Oktober 2016 bestand aus 1.18 Mio. qm Ausstellungsfläche die in 3 aufeinander folgenden Phasen von mehr als 25.000 Ausstellern belegt wird. Mit somit total ca. 3.50 Mio. belegter Ausstellungsfläche und mehr als 185.000 Messebesuchern alleine aus Übersee, ist die Canton Messe eine überragend große Messe, mit einer nach europäischen Maßstäben bewertet fast unbeschreiblichen Produktauswahl. Wenn Sie dieses Messegelände mit seinen vielen Ausstellern in den 5 Messetagen, die Ihnen pro Phase zur Verfügung stehen, effektiv bearbeiten wollen, dann müssen Sie perfekt vorbereitet sein und exakt wissen, was Sie suchen!

Infos zur Canton Messe: http://www.cantonfair.org.cn/en/index.aspx

Die Identifikation geeigneter Produkte und Sortimente ist also die erste wichtige Vorbereitung, die Sie zu erledigen haben. Ein Markenprodukt aus Asien in den europäischen Wirtschaftsraum einzuführen, ist jedoch sehr oft ein Problem, insbesondere wenn die Marke nicht aus Asien stammt, sondern wir von einem japanischen, amerikanischen, europäischen, oder sonstigen Markenprodukt sprechen.

Viele Marken und Hersteller geschützter Produkte haben in der Regel für die jeweiligen Wirtschaftsräume Lizenz- oder Vertriebsvereinbarungen abgeschlossen, die es verhindern, dass ein Fremder in dem einen Wirtschaftsraum einkauft und ohne Erlaubnis des Schutzrechtsinhabers und des ansässigen Partners, in einem anderen Wirtschaftsraum wieder verkauft. Konkret - wenn Sie außerhalb von Europa z.B. Ed Hardy, Apple, Sony, Microsoft, Nokia, Louis Vuitton, Prada oder sonstige Markenprodukte einkaufen, dann dürfen Sie die in aller Regel ohne Zustimmung des Markenrechtsinhabers nicht in die EU einführen und keinesfalls gewerblich zum Weiterverkauf anbieten.

Abgesehen von gewerblichen Schutzrechten Dritter an Markenrechten haben Sie als Importeur in den Wirtschaftsraum der EU von z.B. Mobiltelefonen, Funkwellen nutzenden Produkten (WLAN oder Funk-Kopfhörer), Kinderspielzeug, Elektroartikeln oder auch Lebensmitteln, erhebliche Prüfungspflichten zu leisten. Sie als das Unternehmen, in dessen Auftrag Produkte die Außengrenze der EU überschreiten, stehen als Importeur oder quasi Hersteller für die Konformität der Produkte gerade also dafür, dass die importierten Waren den geltenden Bestimmungen der EU vollumfänglich entsprechen. Für den Fall, dass Ihre Produkte die strengen Auflagen nicht erfüllen, haften Sie als Importeur im vollen Umfang, dabei auch über auftretenden Schäden hinaus. Sollte ein Produkt z.B. nicht sicher sein - wie ein Funk-Kopfhörer der den Frequenzbereich des zivilen Luftverkehrs benutzt - dann sind Sie als Importeur für einen europäischen Warenrückruf verantwortlich, müssen Anzeigen in überregionalen Tageszeitungen schalten und haben hoffentlich keinen negativen Einfluss auf den Luftverkehr gehabt.

Bei elektronischen Produkten müssen Sie unter anderem die Einhaltung der ROHS (Elektroschrott-Verordnung), die Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit, Strahlungssicherheit, weitere Vorschriften der CE-Konformität und diverse andere rechtliche Anforderungen sicherstellen. Dazu sind oft aufwändige Prüfungen, Zertifikate von Ingenieurbüros und Gutachten nötig, die sich nur dann lohnen, wenn Sie große Mengen eines Produktes importieren.

Mit der stetig wachsenden Professionalität der asiatischen Lieferanten und der immer größer werden Zahl an Importeuren aus Asien wird das Angebot an Dienstleistern rund um den Eigenimport stetig größer und leistungsfähiger. So bieten erfolgreiche Importeure, wie einer der größten Amazon Verkäufer "KW Commerce" aus Berlin unter http://kw-logistics.de/ umfassende Import Services für seine Kunden.

Wenn es um Themen rund um Produktsicherheit, relevanten Vorschriften und die Archivierung von EU Konformitätserklärungen geht, dann sind die Spezialisten von Product IP https://www.productip.de/ einer der führenden Dienstleister, die intelligente Services für die Erlangung von Produktsicherheit bieten.

Gerade für den Anfang sollten Sie Einkäufer trotz attraktiver Dienstleister und Services also eher "einfache Artikel" für Ihre ersten Importversuche wählen.

Als erster Arbeitsschritt zum erfolgreichen Import steht für Sie die Analyse Ihres Sortimentes und des Wettbewerbs an. Welche Produkte laufen bei Ihnen in großen Mengen, welche Artikel sind high seller auf den Marktplätzen, welche Saisonartikel haben für die nächste Saison hohes Potential und lohnen den Aufwand des Imports? Welche Produkte des Wettbewerbs würden Sie gerne bei sich integrieren, welche Kundengeschenke benötigen Sie eventuell, welche Produkte würden sich als Werbeaktion oder Bundle anbieten und welche saisonalen Themen würden Sie gerne aufgreifen?

In der ersten Vorbereitung des Imports stellen Sie sich jetzt eine Liste mit Produkten zusammen. Schätzen Sie ein, welche Mengen Sie von den jeweiligen Waren benötigen und handeln Sie bei Ihren bestehenden Lieferanten für diese Mengen die bestmöglichen Einkaufskonditionen aus. Verwenden Sie am besten eine Tabellenkalkulation, wie z.B. Excel, um Produkte in einer Übersicht zu erfassen und führen Sie dabei die folgenden Daten auf:

  • Artikelnummer
  • Artikelbezeichnung
  • Verpackungseinheit (pro Export-Karton)
  • Ordermenge
  • Einstandspreis (frei Haus Ihr Lager geliefert ./. Konditionen oder Skonti)
  • gewährte Garantien des Lieferanten und Reklamationsquote

Damit Sie vor Ort nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, dokumentieren Sie die angebotenen Artikel ganz genau und analysieren die Produktmuster.

  • Produktbilder anfertigen
  • Produkt demontieren, soweit möglich Innenleben fotografieren
  • Produkt vermessen
  • Qualität der Umverpackung (z.B. 2-3 wellige Kartonage & Bruchsicherung)
  • Verpackungsdetails - z.B. Geschenkkarton 4farbig bedruckt
  • Ist eine Gebrauchsanleitung erforderlich?
  • Materialstärken des Produktes
  • Welches Material wurde verwendet und was wiegt das Produkt?
  • Befinden sich Prüfkennzeichnungen, CE- oder sonstige Hinweise auf dem Produkt?
  • Welche Kosten und Lizenzgebühren sind im Angebotspreis enthalten? Entsorgungskosten, Altgeräte Rücknahme, Importzölle usw...

Nehmen Sie sich für die erste Chinareise nicht zu viel vor. Eine Liste von mehr als 20-50 Produkten ist nicht ratsam, denn die notwendige Vorbereitung ist noch nicht abgeschlossen. Für die nötigen Vorarbeiten sollten Sie mindestens weitere 2-5 Arbeitstage einplanen. Wenn die Liste fertig ist, können Sie mit den nächsten Maßnahmen beginnen.

2. Die vertiefte Planungsphase: Informationen aufbereiten, Exportkonditionen ermitteln

Nachdem Sie im ersten Schritt die relevanten Produkte für Ihren anstehenden Messebesuch ausgewählt und erfasst haben, steht jetzt die Informationsaufbereitung und die Ermittlung der Bestimmungen und der Kosten für die Ausfuhr auf dem Programm.

Bei der Recherche und Bewertung von Einkaufspreisen müssen Sie natürlich berücksichtigen, dass Sie die Importwaren in der Regel per Akkreditiv oder sogar Vorkasse bei Auftragserteilung zahlen müssen. Entsprechend gilt es zu beachten, dass Ihnen dieses Geld in Ihren liquiden Mitteln fehlt und unter Umständen auch noch Zinsen kostet.

Damit Sie aus der erstellten Wunschliste im nächsten Schritt die benötigte Einkaufsliste erstellen können, müssen Sie nochmals einige Bearbeitungszeit investieren. Sie sollten die bestehende Excel-Tabelle nun um folgende Informationen erweitern:

  • Artikelbeschreibung englisch
  • Zolltarifnummer (Taric Code)
  • Zollsatz für das Zielland (in der Regel die EU)
  • Enthaltene Gebühren und Lizenzkosten im Angebotspreis ermitteln
  • Importbeschränkungen prüfen
  • Volumen je St. x benötigte Menge
  • Transportkosten (Seefracht)
  • Transportkosten (Nachlauf)
  • Ihre Erwartung der Verbesserung im EK gegenüber dem bestehenden Preis
  • Umrechnungskurs EUR / USD
  • = Ziel Einkaufspreis

Um mit den USD-Preisen der Anbieter in Asien tatsächlich etwas anfangen zu können, müssen Sie die Beschaffungs-Nebenkosten berücksichtigen und Ihre gewünschte Ersparnis definieren, damit Sie einen Zieleinkaufspreis errechnen können. Bei dieser Berechnung ergeben sich erfahrungsgemäß überraschende Ergebnisse.

Beispielrechnung für eine Saftpresse aus China:

Ihr aktueller EK 2,00 EUR
./. 3% Skonto = 1,94 EUR
./. gewünschte Einkaufsverbesserung 20%
Wunschpreis frei Haus = 1,616 EUR

./. Reklamationsquote 4%
./. Risikorückstellung 5% = 1,482 EUR

./. Fracht innerdeutsch (0,055 EUR) = EK frei Zollager 1,427 EUR
./. 6,5% Importzoll = 1,339 EUR
./. Seefracht (0,12 EUR) = 1,219 EUR
./. Finanzierungskosten 3%

Zieleinkaufspreis: ca. 1,18 EUR / 1,246 US$ (bei Geld Kurs 1,056)

Die Beispielrechnung basiert auf dem Eigenimport von 900 Stück Zitrus-Saftpressen und zeigt eindeutig auf - sollen deutliche Einkaufsverbesserungen erreicht werden, dann ist der Import von Kleinmengen für einen Test zwar durchaus möglich, die letzten Potenziale sind aber nur zu realisieren, wenn große Mengen oder Komplettladungen geordert werden.

Die gilt in unserem vorgenannten Beispiel insbesondere, weil eine Saftpresse mit Lebensmitteln in Kontakt kommt und deshalb für deren Lebensmittel-Echtheit zur Erlangung der EU Konformität weitere Prüfungskosten zu berücksichtigen sind.

Wer in Asien sparen will, muss große Mengen abnehmen, schon allein weil die Lieferanten große Mengen lieber sehen und für Komplettladungen nochmals deutlich günstigere Bezugspreise anbieten.

Für viele Produkte, insbesondere Konsumgüter, gilt eine Pflicht zur Kennzeichnung mit dem CE- Symbol. Damit Sie einen Artikel mit diesem "Führerschein" kennzeichnen dürfen, der bestätigt, dass das Produkt den harmonisierten Anforderungen innerhalb der EU entspricht, muss zuerst eine Konformitätsbewertung durchgeführt werden.

Für jedes Produkt Ihrer Beschaffungsliste muss folgendes überprüft werden:

  • CE-Kennzeichnungspflicht prüfen
  • Konformitätsanforderungen prüfen
  • Prüfungsvorschriften dokumentieren

Betrachten Sie kritisch im künftigen Gespräch mit potentiellen Lieferanten für CE-kennzeichnungspflichtige Produkte, ob diese Ihnen die notwendigen Prüfgutachten nachweisen und dokumentieren können. Liegt keine Kontrolle vor, müssen Sie die anfallenden Prüfungskosten noch in Ihren Beschaffungspreis einrechnen! Neben den Anforderungen durch die CE- Kennzeichnungen ist eine der wichtigsten Rechtsverordnungen für den Importeur in die EU das ProdSG - das "Produkt Sicherheitsgesetz" verantwortlich, das im Jahr 2011 das bis dahin geltende "Geräte- und Produktsicherheitsgesetz für technische Arbeitsmittel und Verbraucherprodukte kurz GPSG" ablöste.

Nähere Informationen stehen unter dem folgenden Link zur Verfügung: http://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsschutz/Produktsicherheit/produktsicherheitsgesetz.html.

Folgende Grundregeln sollten Sie bei entsprechenden Produkten unter allen Umständen sorgfältig berücksichtigen:

  • Schließen Sie auf jeden Fall eine Produkthaftpflichtversicherung ab, bevor Sie Produkte in den Wirtschaftsraum der EU einführen!
  • Importieren Sie niemals prüfungspflichtige Produkte, ohne die CE-Konformitätsprüfungen nachweisen zu können!
  • Prüfen Sie bei allen Produkten stets: fällt unter die Regelungen des ProdSG? Falls ja, ist es ProdSG-konform?
  • Prüfen Sie insbesondere auf "vorhersehbare Fehlbenutzungen" durch den Anwender, diese Regelungen lassen viel Spielraum für Interpretationen zu ungunsten des Importeurs , der eine aufgetretene Fehlbenutzung und damit einhergehende Schäden bei sorgfältiger Prüfung hätte vorhersehen können/müssen.

Als Importeur in der EU haften Sie für Schäden und Unfälle, die durch ihre importierten Produkte entstanden sind. Deshalb sollten Sie niemals Artikel ohne eine regelkonforme Dokumentation in Verkehr bringen. Falls Sie Ihre Prüfungspflichten verletzt, oder gar nicht erfüllt haben, dann haften Sie für den entstehenden Schaden. Je nach Ereignis können sich auf diese Art sogar strafrechtlich relevante Tatbestände ergeben. Handeln Sie beim Import in Bezug auf Ihre Prüfungspflichten grob fahrlässig, nützt Ihnen unter Umständen auch eine abgeschlossene Produkthaftpflichtverscherung nichts.

Damit Sie auf der Messe mit einem erhaltenen Einkaufspreis überhaupt etwas anfangen können, müssen Sie neben den produkt- und sicherheitsrechtlichen Voraussetzungen auch die aktuell gültige Zollbehandlung ermitteln. Es gibt einige Produkte, auf die kurzfristig Zölle oder Sonderabgaben erhoben werden, andere Produkte werden mit einer Einfuhrquote versehen.

Es kann durchaus möglich sein, dass auf ein Produkt 5, 10 oder sogar 15 Prozent und mehr Einfuhrzoll erhoben wird. Diesen Kostenpunkt sollten Sie unbedingt in Ihrer Vorbereitung auf einen Messebesuch in China prüfen und für Ihre nachgefragte Produktgattung wissen. Die Zollsätze für Ihre Wunschprodukte können Sie selber kostenlos im Internet abrufen. So wissen Sie, welche Regelung zum Zeitpunkt Ihrer Abfrage gelten. Folgende Internet-Adressen sind für die Zollbestimmungen besonders wichtig:

Für den Import nach Deutschland: www.zoll.de

EU-weit geltende Zolltarifnummern mit Zollsatz und Importbeschränkungen: http://ec.europa.eu/taxation_customs/dds2/taric/taric_consultation.jsp?Lang=de.

Die folgende Seite bietet ebenfalls eine kostenlose Auskunft. Die Stichwortsuche ist zudem komfortabler als auf der offiziellen Internet-Seite der europäischen Zollbehörde. Die Ergebnisse und Informationen sollten Sie aber in jedem Fall nochmals mit der vorgenannten Seite abgleichen: http://www.zolltarifnummern.de/.

Die Recherche in den Datenbanken der europäischen Warenbezeichnungen ist etwas gewöhnungsbedürftig. Grundsätzlich gilt: Sie müssen amtssprachlich denken und über das Material oder den Verwendungszweck eines Produktes kommen Sie in der Regel zum Ziel.

Beispiel einer Recherche Zolltarifnummer & Zollsatz für das Produkt: Saftpresse

Rufen Sie über den oben angegebenen Link die TARIC Startseite auf (http://ec.europa.eu/taxation_customs/dds2/taric/taric_consultation.jsp?Lang=de).

TARIC Homepage

Wählen Sie als Ursprungsland "CN" für China

TARIC Ursprungsland China

Sie erreichen dann über "Blättern" das Warenverzeichnis, das aus 21 Abschnitten besteht.

TARIC Warenverzeichnis

TARIC Warenverzeichnis Abschnitte

Hier wählen Sie den Abschnitt VII - "Kunststoffe und Waren daraus" und navigieren dann auf Kapitel 39, wiederum "Kunststoffe und Waren daraus" und wählen dann unter der Nummer 3924 "Geschirr und andere Haushalts- oder Hauswirtschaftsartikel...".

TARIC Warenverzeichnis Abschnitt VII

Navigieren Sie jetzt zu 3924 10 - "Geschirr und andere Artikel für den Tisch- oder Küchengebrauch".

TARIC Warenverzeichnis Geschirr

Über die Funktion "Suche nach Maßnahmen" erhalten Sie dann die folgende Auskunft.

TARIC Auskunft

Zur Zeit der Abfrage galten für Küchenartikel, die aus Polyamide oder Melamin gefertigt werden und aus dem Ursprungsland China stammen, keine Handelsbeschränkungen. Es wird ein Einfuhrzoll (Drittlandszollsatz) von 6,5% auf den Einkaufspreis plus Frachtkosten bis zur EU-Grenze erhoben.

Damit Sie auch in China immer errechnen können, welche Frachtkosten Sie für ein Produkt kalkulieren müssen, rufen Sie am besten bei Ihrem Hausspediteur an oder wenden Sie sich direkt an eine Spedition, die eine eigene Importabteilung für Seefrachten hat, wie z.B. die Agility Logistic GmbH. Dort fragen Sie die aktuellen Frachtkonditionen an.

3. Buchung, Gepäck und die Arbeitswerkzeuge des Messebesuchers

Die Reisebuchung zu einer China-Messe erledigen Sie entweder in Eigenregie, oder lassen diese von einem Reisebüro erledigen. Auf der Website der Canton-Messe erhalten Sie die wichtigsten Informationen, wie z.B. die Liste der Hotels, in denen Sie sich direkt für die Messe registrieren können: http://www.cantonfair.org.cn/german/index.shtml. Folgende Entscheidungen stehen jetzt an:

1. Welche der 3 Phasen der Canton-Messe wollen Sie besuchen?

Produkte der 1. Phase:
Elektronik, elektrische Haushaltsgeräte, Maschinen & Werkzeuge, Autos, Motorräder, Baumaterialen, chemische Produkte, Kabel, Computer und Peripherie. In der ersten Phase sind zunehmend Smart Home Komponenten und alles zum Thema heimische Vernetzung von zunehmendem Interesse, auch WLAN und Bluetooth Audio Komponenten sind in der ersten Phase zu finden.

Produkte der 2. Phase:
Konsumgüter, Haushaltswaren, Haushaltschemie, Keramik & Porzellan, Spielwaren, Uhren sowie Dekoprodukte und Geschenkartikel.

Produkte der 3. Phase:
Oberbekleidung & Sportswear, sonstige Textilien, Leder, Felle, Heimtextilien, Teppiche und Tapeten, Schuhe, Büroartikel und Schreibwaren, medizinische Produkte und Agrarprodukte wie z.B. Tee, Kaffee und Kräuter (bei Lebensmitteln ist Vorsicht beim Import geboten!).

2. Wie lange soll Ihr Aufenthalt dauern? Nur eine Phase der Messe über oder vielleicht zwei oder sogar alle drei Phasen?

Die Termine der jeweiligen Messephasen können Sie über den oben angegebenen Link der CantonMesse recherchieren. Die aktuellen Messetermine werden hier sofort auf der Startseite angegeben. Sobald Sie wissen, wann Sie auf der Messe sein wollen, sollten Sie die Reiseplanung so vornehmen, dass Sie mindestens einen Tag, besser 2 Tage vor der Messe in Hong Kong ankommen und zumindest einen Tag für die Weiterreise nach China, den Jet-Lag, die Besucher-Registrierung und eine erste Eingewöhnung haben.

Als nächstes brauchen Sie eine Einladung der Messegesellschaft, denn eine offizielle Einladung ist die Voraussetzung zur Erteilung eines Visums. Die nötige Einladung füllen Sie online aus und drucken diese "E-Invitation" ganz leicht an ihrem eigenen PC aus.

Für die Erstellung dieser Einladung bietet die Messe ein Online-Tool an, welches BEST genannt wird (Buyers E-Service Tool). Dort tragen Sie in einem Online-Formular ihre Firma, ihren Namen und ihre Adresse sowie die weiteren Kontaktdaten ein und wählen die Option "Business Visum".

Je nachdem, ob Sie dieses System schon einmal genutzt haben oder nich,t folgen Sie dem Link "Apply for Invitation" und loggen sich entweder mit Ihren Daten ins System ein, oder registrieren einen neuen Account. Sie erreichen das "BEST-System" ganz bequem über die Startseite der Canton Messe, beantragen Ihre Einladung nach China online und drucken diese dann auf ihrem Drucker aus: http://invitation.cantonfair.org.cn/Home/Index

Über die BEST-Seite der Canton Messe können Nutzer auch nach Lieferanten suchen und das dringend benötigte "Buyer Badge" online beantragen.

Um Ihr Visum zu beantragen, benötigen Sie jetzt noch ein aktuelles Passbild in Farbe und Ihr Reisepass muss zum Zeitpunkt der Einreise nach China noch mindestens 6 Monate gültig sein. Hier lohnt sich eine frühzeitige Kontrolle der Ausweispapiere, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Das Visum beantragen Sie besonders bequem über einen entsprechenden Visa-Dienst, der sich um alle Formalitäten kümmert. Für die Erteilung eines Visums müssen Sie ca. 180,00 - 200,00 Euro an Kosten und Gebühren einplanen. Ein empfehlenswerter Dienstleister ist die CIBT Visum Centrale, die unter http://visumdirekt.de/index.php zu erreichen ist. Hier wählen Sie als Reiseland China aus und können dann das Antragsformular für das Visum herunterladen und ausfüllen. Weitere Informationen finden Sie z.B. auch auf http://www.china-visum.net/visadienste.html, hier finden Sie einen Vergleich von Visadiensten mit aktuellen Hinweisen, welcher Visadienst empfehlenswert ist.

Die Buchung des passenden Fluges und die Hotelreservierung sollten Sie am besten über Ihr Reisebüro erledigen lassen. Am komfortabelsten ist der Direktflug mit Lufthansa von Frankfurt nach Guangzhou/China. Hier ist es ebenfalls wichtig, mit der Buchung nicht bis zum letzten Tag zu warten, da die Maschinen zur Messezeit oft ausgebucht sind. Viele Airlines fliegen aber auch über Dubai oder London Hong Kong an, von wo aus sie bequem von Kowloon Hong Kong mit der MTR in ca. 2h nach Guangzhou fahren können.

Falls Sie die günstigeren Flüge über Hong Kong bevorzugen, können Sie dort eine Übernachtung einplanen und dann erst am nächsten Tag per Bahn oder mit einem der diversen Fernbusse oder privaten Shuttle Services nach Guangzhou weiterreisen. Viele bevorzugen nach der Landung in Hong Kong den Fernbusbahnhof direkt am Flughafen Hong Kong, von wo aus Sie sofort per komfortablen Fernbus nach Guangzhou weiterreisen können. Diese Fernbus Verbindungen sind die günstigste Art nach Guangzhou weiter zu reisen und Sie vermeiden unnötige Wege vom Flughafen nach Hong Kong zum Bahnhof.

Wer mit dem Bus fährt, sollte zur Reisevorbereitung den Namen seines Hotels in chinesischer Schrift ausgedruckt haben (gibt es auf jeder Hotelwebsite), damit er dem Taxifahrer in Guangzhou verständlich machen kann, wohin er möchte.

Instruieren Sie Ihr Reisebüro, Ihnen ein Zimmer in den Hotels zu buchen, die über ein "Registration Office" für die Messe verfügen (Tipp: Shangri La Hotel in direkter Nähe des Messegeländes). So vermeiden Sie langes Anstehen vor dem Messegelände und können sich am Tag vor der Messe bereits Ihre Eintrittskarte für die Messe im Hotel besorgen. Außerdem ist Guangzhou eine typische chinesische Großstadt, die mit einem erheblichen Verkehrschaos zu kämpfen hat, je weiter Ihr Anfahrtsweg zur Messe, desto mehr Zeit verbringen Sie im Shuttlebus. Ein Hotel in direkter Messenähe ist meist teurer, aber für Ihre Arbeit auf der Messe und die empfehlenswerte Nachbearbeitung jedes Messetages extrem vorteilhaft.

Neben der Reisebuchung sollten Sie jedoch noch weitere wichtige Vorbereitungen für die Reise treffen. Denn alles, was Sie im Vorfeld erledigen können, hilft Ihnen, während Ihres Messeaufenthaltes so effizient wie möglich zu arbeiten.

Hierfür haben wir Ihnen eine ausführliche Check-Liste zusammen gestellt (siehe Seite 28 und 29), in der alle Accessoires, Ausrüstungsgegenstände und kleine Reisehelfer aufgeführt sind. Hier schon einmal die wichtigsten Punkte vorab:

1. Ein Dual Band Mobiltelefon ohne SIM Lock und Karte

Diese Telefonnummer geben Sie dann an Ihre wichtigsten Kontakte weiter und lassen sich auf der China-Nummer anrufen. (Hier verwenden Sie eine Prepaid-Telefonkarte z.B. der China Telecom mit eigener Nummer. So telefonieren Sie in China viel günstiger als per Roaming-Verfahren).

2. Digitalkamera

Eine kleine und handliche Digitalkamera mit einem hochwertigen Objektiv und mindestens 1-2 Ersatz-Akkus, Ladegerät sowie mehreren Speicherkarten. Die Fotografie der Produktmuster, die Ihnen auf der Messe angeboten werden ist von besonderer Wichtigkeit, nutzen Sie dafür keine Smartphone Kamera, sondern mindestens eine kompakte Digitalkamera mit lichtstarkem Objektiv (kleine Blende).

3. Notebook

Notebook zur Datensicherung und zum Bearbeiten der Produktanfrage-Formulare mit installiertem Office bzw. zumindest Excel.

4. Visitenkarten in englischer Sprache

Sie sollten sich für Ihren Chinabesuch unbedingt spezielle Visitenkarten drucken lassen, auf denen Sie eine spezielle EMail-Adresse angeben, wie z.B. Import@IhreFirma.de. Diese E-Mail-Adresse sollte keinesfalls bei einem Free-Mail Dienst wie gmx, web.de oder yahoo eingerichtet werden, da deren Spam-Filter die Nachrichten aus Asien häufig abweisen. Gmail hat sich in diesem Zusammenhang als durchaus funktionstüchtig erwiesen. Der wichtigste Grund für eine spezielle Messe-Emailadresse ist jedoch die Spam und Virus Gefahr, solche vielfach verbreiteten Emailadresse drohen nach einigen Monaten "zu verbrennen" und nicht mehr nutzbar zu sein. Veröffentlichen Sie in einer frühen Nachfragephase, wie auf einer Messe niemals eine wichtige Emailadresse!

5. Aktentasche mit Rollen

Für Ihre Unterlagen und eingesammelten Kataloge sollten Sie unbedingt eine Aktentasche mit Rollen verwenden, die Sie hinter sich herziehen können. Die Kilos, die Sie ansonsten den ganzen Tag tragen müssen, würden Ihnen schnell zu schwer werden. Wichtig ist, dass die Tasche sehr gute Rollen und gut zugängliche Taschen besitzt, damit Sie schnell an den Taschenrechner, die Waage und eines Ihrer wichtigsten Utensilien - den Tacker kommen.

6. Maxi Trolley

Benutzen Sie für die Reise einen leichten Rollenkoffer oder Reise-Trolley mit wenig Gepäck. Für den Hinflug sollten Sie Gewicht sparen und einen Reise-Trolley verwenden. In der Regel haben Sie ca. 20-30kg Gepäck frei und werden in China wahrscheinlich 8-10 kg an Mustern und Katalogen einpacken. Damit Sie beim Check-In des Rückfluges keine bösen Überraschungen wegen des Übergepäcks erleben, nutzen Sie lieber den Waschservice im Hotel und nehmen weniger Kleidungsstücke mit. Ihr Shampoo und Duschgel sollten Sie bei der Abreise im Hotel stehen lassen, anstatt dieses als teures Übergepäck zurück zu transportieren.

7. Digitalwaage

Nehmen Sie eine leichte digitale Briefwage mit nach China. Ein Modell mit großer Platte und einem Wiegebereich bis ca. 5 Kilo ist meist bestens geeignet, zumindest, wenn Sie vorhaben, kleinere Produkte, Haushaltswaren oder Geschenkartikel zu importieren. Während der Messe sollten Sie die Produkte, die man Ihnen anbietet, direkt wiegen und das Gewicht auf dem Produkt-Stammblatt notieren. Die Lieferanten stellen mitunter die stabilere Variante eines Produktes auf der Messe aus. Wenn es dann an die Produktion eines Kundenauftrags geht, wird eine leichtere Variante hergestellt, um Material zu sparen. Wenn Sie nicht wiegen, wird der Anbieter das in seinen Messenotizen vermerken und Sie laufen Gefahr, etwas anders geliefert zu bekommen, als sie auf der Messe ausgesucht haben.

8. Maßband, Tacker, Knetmasse, Lineal, Klebeband

Wenn Sie wirklich sicher gehen wollen, dann dokumentieren Sie die angebotenen Artikel einer Messe SOFORT am Messestand penibel und sehr genau.

Ein erfolgreicher Messebesuch ist das Ergebnis genauer Vorbereitung und eines strukturierten Vorgehens auf der Messe. Wenn Sie 20 unterschiedliche Produkte suchen, werden Sie zu jedem Produkt unter Umständen bis zu 30 verschiedene Anbieter finden, die ähnliche Qualitäten anbieten. Hier lediglich Kataloge einzusammeln auf denen Sie dann Preise handschriftlich notieren hilft später bei der Nachbearbeitung der Angebote und der Suche nach den wirklich besten Lieferanten nicht weiter, denn nicht nur der Einkaufspreis entscheidet, sondern auch die Kosten für eigene Verpackungen, Sonderanfertigungen bis hin zur eigenen Variante eines Produktes.

Wenn Sie nicht sofort auf dem Messestand penibel fotografieren, messen, dokumentieren und Konditionen und Aufpreise anfragen, bekommen Sie sicherlich nach etlichen Tagen mit der Summe der Angebote und Lieferanten durcheinander und müssen im Nachgang versuchen alle Details mühsam dokumentieren - was erfahrungsgemäß äußerst fehleranfällig ist. Damit Sie das Produkt fürs Foto fixieren können, haben Sie Knete und z.B. Klebeband dabei, nehmen die relevanten Details ins Stammblatt auf, notieren die Bildnummern auf dem Stammblatt und tackern grundsätzlich die Visitenkarte des Anbieters auf das Stammblatt.

Sie sollten die Masse an Produkten, Angeboten und verschiedenen Lieferanten, die Sie auf einer Messe in Betracht ziehen können, keinesfalls unterschätzen. Wenn Sie die wichtigen Informationen nicht sofort am Stand mit den betreffenden Lieferanten klären, wird dieser Sie wahrscheinlich als eher unerfahrenen Einkäufer bewerten. Weiterhin kommen Sie nach drei bis vier Messetagen ansonsten mit den Angeboten und Lieferanten durcheinander.

Aus eigenem Interesse sollten Sie nach einem Messetag ein paar Minuten die Füße hochlegen, dann ganz bequem zum Abendessen gehen und sich nach dem Essen wieder zurück in Ihr Zimmer begeben. Dort wird der Messetag umgehend aufbereitet. Die Fotos sollten zu den passenden Stammblättern sortiert und die Produkte in ein erstes A/B/C Ranking gebracht werden. Wenn Sie nach der Messe zurückehren, sollten alle Angebote und passenden Kataloge so gespeichert und aufbereitet sein, dass Sie auch Tage später noch genau wissen, welche Lieferanten und Angebote Sie zuerst nachbearbeiten.

Noch ein Hinweis: So sehr die Hotelbar auch zur Entspannung und auf ein Bier lockt, das Ziel Ihrer Reise ist die Optimierung ihres Einkaufs und nicht das Sponsoring der Bar. Der Erfolg Ihrer Reise entscheidet sich vor allem durch die Ergebnisse Ihrer Produkt- und Lieferantenrecherche, deswegen geht die professionelle Nachbereitung des Messetages und ausreichend viel Schaf absolut vor. Keine Angst, wenn Sie einmal im Tritt sind und die Bewertung der Lieferanten zur Routine geworden ist, dann bleibt auch etwas Zeit für einen kurzen Absacker an der Hotelbar.

Besonders wichtig ist die Einrichtung einer speziellen "China E-Mail-Adresse" und Ihrer China- Visitenkarten auf englisch. Oft ist es so, dass Sie aus China Serienmails und Newsletter empfangen, in denen alle Empfänger sichtbar sind. So landen Sie ganz schnell in diversen Mailing- und Newsletter-Listen, die ihren E-Mail-Account dann mit mehr Post versorgen, als Ihnen lieb ist. Falls Sie also Ihren geschäftlichen E-Mail-Account schützen wollen, sollten Sie hier - wie bereits erwähnt - unbedingt Vorsorge treffen.

4. Ankunft in China, erste Orientierung und die Canton Messe

Vergessen Sie als erstes einmal die Bilder aus dem Fernsehen, die Sie sehen, wenn über das ländliche China berichtet wird. Reisfelder, Wasserbüffel und Pferdefuhrwerke - wenn Sie ins Business China reisen, werden Sie von all dem nichts sehen. Um die chinesische Mauer zu besuchen, müssten Sie von Guangzhou aus noch einmal vier Stunden Flug auf sich nehmen. In Guangzhou bekommen Sie Hochhäuser, volle und breit ausgebaute Straßen, u.U. Fabriken und Hotels zu sehen. Die scheinbar chaotische Bewegung eines Ameisenhaufens folgt tatsächlich einem großen Plan. Dagegen kommt Ihnen nach Ihrer Rückkehr Deutschland so aktiv vor, wie ein Bär im Winterschlaf.

Nach dem Einchecken im Hotel sollten Sie sofort zur Besucher-Registrierung gehen. In ihrem Hotel wird sich ein Registrierungsbüro für die Messe befinden, dort wird ein Foto von Ihnen erstellt, Sie geben Ihre Visitenkarte ab und erhalten einen Lichtbild-Ausweis zum Umhängen. Fragen Sie auch sofort nach, wann und von wo die Pendelbusse zur Messe abfahren. Planen Sie dabei ein, einen der ersten Busse zu erwischen, denn je später es wird, desto länger ist die Wartezeit, um zur Messe zu gelangen und je voller die Messe, desto länger warten Sie auf ein Gespräch mit dem Verkäufer.

Direkt vor dem Messeeingang finden Sie den "Interpretors Corner", dort können Sie für ca. 150,00 Euro am Tag einen Übersetzer "mieten", der Ihnen z.B. auf Deutsch, Englisch und Mandarin zur Verfügung steht. Wenn Sie über passable Englischkenntnisse verfügen und vor allem Ihre Produkte auf englisch erklären und Qualitäten definieren können, benötigen Sie keinen Übersetzer. Auf der Messe sprechen alle chinesischen Lieferanten ausreichend gutes Englisch. Falls Sie einen Übersetzer mieten, steht Ihnen dieser von morgens 9.00 Uhr bis spät abends zur Verfügung. Die Arbeitszeiten in China sind in diesem Fall nicht mit Deutschland zu vergleichen.

Die Canton Messe stellt Ihnen auf 1.18 Mio qm Ausstellungsfläche die "Creme de la Creme" der chinesischen Lieferanten zur Verfügung. Insgesamt werden auf der Canton Messe Aufträge im Wert von rund 30 Milliarden US-Dollar vergeben. Ihre täglichen Messebesuche werden durch das stoische Abarbeiten der Messehallen bestimmt sein. Je nach Zeit, die Sie für die Messe eingeplant haben, müssen Sie jeden Tag mehrere Hallen abarbeiten. Auf der Suche nach ihren gewünschten Artikeln werden Sie Preisdifferenzen von mehreren hundert Prozent erleben. Aus diesem Grund notieren Sie auf den Produkt Stammblättern neben dem Angebotspreis auch Halle und Standnummer des potentiellen Lieferanten notieren, aber nicht sofort am ersten Tag Aufträge erteilen. Suchen Sie nach dem besten Lieferanten und planen Sie sich entweder die Nachmittagsstunden jedes Tages ein, um dann noch einmal gezielt zu den betreffenden Lieferanten zu gehen, um Aufträge zu erteilen, oder Sie sammeln passende Lieferanten, suchen Sich die "A"-Angebote heraus und bestellen dann z.B. am letzten Tag bei den betreffenden Anbietern.

Lassen Sie sich keinesfalls zu vorschnellen Aufträgen drängen, viele Anbieter versuchen Sie damit zu ködern, dass dieser Preis nur einen Tag gilt oder der Chef nur heute auf der Messe wäre und an den Folgetagen keine Order zu diesem Preis mehr möglich wäre. Lassen Sie sich von solchen Tricks nicht beeindrucken! Wenn der Lieferant wirklich ordentlich arbeitet und an einer langfristigen Geschäftsbeziehung interessiert ist, können Sie natürlich auch am letzten Messetag noch Aufträge platzieren. Und noch etwas - so ziemlich jeder Anbieter von Ware versucht Ihnen zu suggerieren, er wäre direkt der Hersteller der Ware und wird Ihnen bereitwillig ein Bild einer großen Fabrik in seinem Katalog zeigen. Auch hier sollten Sie nicht allem, was gedruckt steht, auch Glauben schenken. Falls Sie mit eben einem solchen potentiellen Lieferanten einmal eine/seine Fabrik besuchen, dann fühlen Sie diesem Fabrikbesitzer ordentlich auf den Zahn. Oft genug fliegt der Schwindel bereits auf, wenn Sie in der Fabrik nach der Toilette oder anderen räumlichen Details fragen.

Schlussendlich ist es denn für Sie auch egal, ob Sie bei einer Fabrik oder bei einem Agenten kaufen. Oft ist es so, dass Fabrikanten neuen oder potentiell kleineren Kunden schlechtere Preise einräumen, als dem einen oder anderen Agenten, der Sie durch sein Gesamt-Auftragsvolumen teilweise an Konditionen teilhaben lassen kann, die Sie allein niemals erreichen könnten. Suchen Sie also nicht immer nach der Fabrik, bei der Sie direkt bestellen können, denn dann verkürzen Sie vielleicht die Lieferantenkette, haben aber nicht die besten Konditionen erreicht.

Beim Einkauf ist zu beachten, dass Sie in der Regel Vorkasse leisten müssen! Beim Import können Sie zur Vorkasse auch ein sogenanntes LC nutzen. Hierbei handelt es sich um ein unkündbares Zahlungsversprechen, welches der Lieferant einlösen kann, sobald er an Ihren Spediteur geliefert hat. Das LC wird Ihnen von Ihrer Hausbank dann sofort nach der Eröffnung belastet, um sicherzustellen, dass die Bank der Verpflichtung zur Auszahlung des Zahlungsversprechens nachkommen kann. Sie zahlen also faktisch per Vorkasse bei Auftragserteilung und dies kann schnell zwei bis drei Monate vor der Anlieferung der Ware in Ihrem Lager sein. Achten Sie also stets auf Ihre Liquidität sowie auf ihr maximales Einkaufsvolumen. Es ist nicht sinnvoll, wenn Sie am ersten Messetag schon ihr gesamtes Budget eingesetzt haben. Auch an den Folgetagen werden Sie attraktive Angebote erhalten.

Noch ein Tipp!
Suchen Sie sich vor Ihrer Reise einen Partner, der Qualitäts-Inspektionen für Sie in China durchführt und lassen Sie ihren Lieferanten den betreffenden Prüfer wissen. Wenn der Hersteller weiß, dass er mit einer Produktionsprüfung und einer Produktprüfung vor der Verschiffung zu rechnen hat, wird er vielleicht noch ordentlicher arbeiten als ohnehin ;-). Falls Sie keinen bevorzugten Dienstleister für Produktprüfungen haben, dann könnten Sie z.B. über die bereits vorher im Artikel benannten Product IP oder KW Commerce potentielle Dienstleister erhalten.

In China ist es wie immer und überall: Wer weiß, dass er kontrolliert wird, gibt sich in der Regel mehr Mühe und ist zuverlässiger. Manchmal hilft sogar schon die glaubhafte Androhung einer Prüfung.

Container

5. Ihr erster Einkauf in Fernost: Nachbereitung und Bestellung

Nach der Rückkehr aus Asien beginnt für den Importeur die eigentlich entscheidende Arbeit. Egal, ob Sie auf der Messe bereits verbindliche Aufträge erteilt oder "nur" eine Produkt- und Lieferantenrecherche durchgeführt haben: Der tatsächliche Erfolg Ihrer Importreise wird zu Hause am Schreibtisch entschieden.

Unabhängig davon, ob Sie sich schon für ein Produkt, eine Menge und einen Preis festgelegt haben: Die Kalkulation des Bezugspreises, die genaue Produktionsbeschreibung und Ihre rechtliche Absicherung werden Sie in jedem Fall noch ausarbeiten müssen. In dieser Phase des Imports wechseln Sie von der Sourcing- und Einkaufstätigkeit in die nächste Disziplin, nämlich das Produkt- und Beschaffungsmanagement.

Folgende Aufgaben müssen erledigt werden:

5.1. Kalkulation des Bezugspreises

Einkaufspreis + Transport + Beschaffungs-Nebenkosten + Kosten der Produktentwicklung + Zoll & Finanzierungskosten = Bezugspreis geliefert

Mit der Ermittlung des Bezugspreises schaffen Sie die Grundlage Ihrer weiteren Vertriebskalkulation. Das eigentliche Mysterium dieser Kalkulation sind jedoch die "Kosten der Produktentwicklung". Hierunter versteht man alle Kosten, die entstehen, um das Produkt import- bzw. vertriebsfähig zu gestalten.

Dazu zählen eventuell nötige Aufwendungen für Produkt-Prüfungen durch den TÜV oder andere Institute, das Verpackungslayout, die Kosten für Grafikdesigner, Produktdesigner und andere Arbeitskräfte. Ebenso fallen auch die internen Kosten, also Ihre Arbeitszeit, mit in die Kalkulation.

a. Sicherstellung der Gebrauchstauglichkeit für den Zielmarkt
Die Gebrauchstauglichkeit beschreibt den tatsächlichen und theoretischen Zustand eines Produktes, der die Grundlage für die Verkehrsfähigkeit darstellt. Ist ein Produkt gebrauchstauglich, erfüllt es nicht nur die rechtlichen Anforderungen an das Produkt, wie z.B. die Einhaltung bestimmter gesetzlich vorgeschriebener Prüfungen (CE-Konformität, ROHS, AZO-Farben oder auch Produktionsstandards nach DIN ISO EN), sondern berücksichtigt auch die Anforderungen des ProdSG und weiterer relevanter Verordnungen. Das Produktsicherheitsgesetz stellt besondere Anforderungen an die Bedienbarkeit und Funktionalität eines Produktes, an die Bedienungsanleitung und die Warnhinweise in Bezug auf vorhersehbare Fehlbenutzungen.

Haben Sie diese nötigen Prüfungen, Produktbeschreibungen und Bedienungsanleitungen ausgearbeitet und die Kosten für Ihr Produkt zusammengefasst, gehören diese in die Kalkulation ihres Importes.

b. Prüfung auf den Verstoß gegen gewerbliche Schutzrechte Dritter
Selbst wenn Ihr Produkt konform mit den gesetzlichen Vorschriften ist und über eine geeignete Bedienungsanleitung verfügt, sind die Vorbereitungsarbeiten für den Import noch nicht abgeschlossen. Als Importeur haften Sie, wenn Ihr Produkt gegen die gewerblichen Schutzrechte eines Dritten verstößt.

Darunter versteht man vor allem die folgenden Rechtsbereiche:

  • Markenrechte
  • Urheberrechte
  • Gebrauchsmuster
  • Bildrechte
  • Geschmacksmuster
  • Patente

Ob ein von Ihnen in China ausgesuchtes Produkt gegen ein Markenrecht verstößt, können Sie relativ schnell prüfen, zumindest bei Markengleichheit. Über eine Online-Recherche beim DPMA (deutsches Patent- und Markenamt) und beim HABM, dem europäischen Markenregister, können Sie sehr schnell herausfinden, ob der von Ihnen ausgesuchte, oder vom Lieferanten verwendete Produktname vielleicht von einem anderen geschützt ist.

Sie wollen ja sicherlich keine Sportschuhe aus China importieren, auf denen der Markenname Adidas steht. Schwieriger wird die Recherche, wenn Sie nach "Adidos" suchen, oder sich drei Streifen auf Ihren Sport-Schuhen befinden. Denn jetzt recherchieren Sie nicht mehr nach einer 100% Markengleichheit, sondern beim Namen "Adidos" nach einem Namen, der unter Umständen einer bestehenden Marke gegenüber verwechslungsfähig ist. Dies nennt sich dann eine Ähnlichkeitsrecherche, die in der Regel nur von bestimmten Anbietern mit Hilfe einer speziellen Software durchgeführt werden kann.

Versuchen Sie "drei Streifen" zu recherchieren, dann müssen Sie eventuell nach einem Geschmacksmuster oder einer Bildmarke recherchieren. Die ist so kompliziert, dass Sie entweder einen Patent- oder Markenanwalt mit der Recherche beauftragen oder sich durch einen externen Produktmanager & Juristen beraten lassen. Denn selbst, wenn Sie einen eigenen Markennamen oder ein eigenes Design für Ihre Produkte entwickeln, haben Sie keine Gewissheit, dass Sie nicht gerade ein Zeichen oder einen Namen "erfunden" haben, der bereits seit Jahren als Marke gesichert ist.

Eine eigene schnelle Markenrecherche können Sie kostenlos über folgende europäischen Datenbanken durchführen:
https://www.tmdn.org/tmview/welcome#monitortabs-advancedSearch
https://euipo.europa.eu/eSearch/

Zum Thema Markennamen und Markenrecherchen finden Sie unter den nachfolgend aufgeführten Links zwei empfehlenswerte Artikel mit weiteren Hintergrundinformationen zu diesem Thema von der Kanzlei IP Kneller:

Markenrecherche selbst gemacht:
http://www.kanzlei-kneller.de/markenrecherche-selbstgemacht-aber-achtung/

Markenanmeldung selbst gemacht:
http://www.kanzlei-kneller.de/marke-anmelden-aber-bitte-mit-plan/

Der folgenden Artikel der Kanzlei Lexea bietet weiteres wichtiges Wissen zum Thema Markenrecht, Schlagwörtern und der unberechtigten "Benutzung" fremder Schutzrechte.
http://www.lexea.de/schwerpunkte/e-commerce/marken-in-der-werbung-richtig-einsetzen.html

Wenn es schlussendlich um Patentrechte oder Geschmacksmuster für das Produktdesign geht, dann sind selbst erfahrene Juristen und Produktentwickler nicht vor Fehleinschätzungen sicher, wie der Streit zwischen Samsung und Apple um Smartphone Patente aktuell zeigt.

c. Produktdesign und Produktentwicklung
Hässlichkeit verkauft sich nicht. Dies gilt es, bei allen eigenen Produktimporten zu beachten. Neben der technischen und rechtlichen Absicherung des Produktes dürfen Sie den wichtigsten Entscheider nicht vergessen: Ihren Kunden.

Farbgebung, Verpackungsdesign und eventuell notwendiges Produktdesign können die entscheidenden Faktoren für den Erfolg beim Absatz Ihrer Produkte sein. Eine moderne Farbe, ein gefälliges Design, ein schönes Muster oder eine ansprechende Haptik können den Unterscheid zum Gewöhnlichen definieren und ihr Produkt zum Bestseller ernennen. Sie sollten also gerade in diesem Bereich nicht sparen und eventuell einen Produktdesigner mit der "Aufhübschung" der in China gefundenen Standardprodukte beauftragen. Emotionalität beim Produkt, Verpackungsbilder und Grafikdesign gehören natürlich genauso dazu und sollten neben allen anderen Punkten Beachtung finden.

5.2. Produktions-Timing und Lieferanten-Briefing

Nach der Absicherung der rechtlichen Rahmenbedingungen für Ihr Produkt und das Ausarbeiten von Produkt- und Verpackungsdesign gehört nun die Umsetzung zur Produktion zu Ihren wichtigsten Aufgaben. Alle Planungen und Prüfungen sind am Ende umsonst, wenn der Produzent die Vorgaben nicht erfüllt, falsche Farben verwendet, das Produktdesign verkehrt umsetzt oder die geforderte Materialqualität nicht einhält. Hierzu ist ein genaues Briefing des Herstellers nötig und wie bereits vorher erwähnt, kann ein spezieller Dienstleister, der die Einhaltung Ihrer Produktionsvorgaben vor Ort kontrolliert, ein ganz wichtiger Bestandteil Ihres Produktmanagements sein.

Alle Investitionen, Prüfungen, Designleistungen und das eingesetzte Know-How sind vergeblich investiert, wenn am Ende in der Fabrikation nicht exakt das umgesetzt wird, was Sie bestellt haben. Einmal geliefert, haben Sie in den meisten Fällen kaum eine Handhabe gegen den Lieferanten, um diesen am entstandenen Schaden zu beteiligen. Bei der Umsetzung der Produktionsvorgaben zu sparen und blind auf die Arbeit des Lieferanten zu vertrauen, ist in den allermeisten Fällen ein sehr schlechter Rat.

Große Herausforderungen und ein verlockendes Ziel

In den vorangegangenen Abschnitten haben wir Ihnen Schritt für Schritt erklärt, wie Sie selber den Weg zum erfolgreichen Importeur Ihrer eigenen Produkte aus China absolvieren können. Mit Sicherheit wurden Sie bei der Lektüre mit viel Neuem konfrontiert. Auch wenn Ihnen die dargestellten Anforderungen zunächst überaus komplex erscheinen, so sollten Sie sich nicht abschrecken lassen. Wenngleich die Aufgabe eines Importeurs ein hohes Maß an Umsichtigkeit und Verantwortung erfordert, so verlieren doch viele der dargestellten Arbeitsschritte in der Praxis und aus der Nähe betrachtet ihren Schrecken. Der mit dem Eigenimport verbundene Aufwand, die Arbeit und die Mühe lohnen sich jedoch. Wenn Sie die ersten Schritte in diesem Bereich erfolgreich gemeistert haben, winken nicht nur sensationelle Einkaufskonditionen, sondern auch die Aussicht auf einzigartige und individuelle Produkte und somit ein deutlicher Vorsprung vor der Konkurrenz. Nehmen Sie sich in jedem Fall ausreichend Zeit, um über die Frage nachzudenken, ob Sie selber als Importeur aktiv werden wollen. Wenn ja, dann bereiten Sie sich gründlich auf Ihre neue Rolle vor, schließen Sie konsequent Wissenslücken und stellen Sie an sich selber nicht die Anforderung, bereits auf Ihrer ersten Geschäftsreise nach China das "Geschäft Ihres Lebens" machen zu müssen. Wenn dieser erste Besuch Ihnen eine Orientierung über Möglichkeiten, Chancen und Risiken vermittelt und Sie hierdurch einen ersten persönlichen Eindruck über diesen interessanten Geschäftsbereich erhalten, ist bereits viel gewonnen und Sie werden Ihre zweite Reise deutlich entspannter antreten können. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und freuen uns, wenn es uns gelungen ist, Ihnen eine Anregung für künftige geschäftliche Aktivitäten zu geben.